Warum das Böse siegt, wenn die Guten schweigen – Das Problem der gespaltenen Güte

Warum scheint das Böse in unserer Welt oft zu triumphieren? Die gängige Antwort lautet: Es gibt zu viele schlechte Menschen. Doch diese Diagnose greift zu kurz und verkennt eine tiefere, biblische Wahrheit. Das wahre Problem liegt nicht in der Überzahl der Gottlosen, sondern in der Passivität der Gläubigen. Jesus selbst warnte uns: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz fade wird, womit soll es wieder salzig gemacht werden? Es taugt zu nichts mehr, als daß es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten werde“ (Matthäus 5,13).

Noch gravierender: Die Gläubigen tun nicht nur zu wenig – sie sind unfähig zur Einheit und neigen zur Flucht, wenn der Kampf zwischen Licht und Finsternis ernst wird. Wie Paulus schreibt: „Denn wir haben nicht gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen“ (Epheser 6,12).

Historische Evidenz: Der Zweite Weltkrieg als eschatologisches Zeichen

Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs offenbart dieses Muster in seiner ganzen biblischen Tragik. Dietrich Bonhoeffer, einer der wenigen christlichen Stimmen, die früh gegen das Nazi-Regime aufstanden, schrieb aus dem Gefängnis: „Schweigen angesichts des Bösen ist selbst böse: Gott wird uns nicht unschuldig halten. Nicht zu sprechen ist zu sprechen. Nicht zu handeln ist zu handeln.“

Hunderte von Einzelstimmen erkannten die Zeichen der Zeit und riefen zur Aktion auf – wie die alttestamentlichen Propheten, die Israel vor dem kommenden Gericht warnten. Doch wie das Volk Israel immer wieder taub für die Stimme Gottes war, blieb die große Masse der Christen und auch der Juden passiv, abwartend, hoffend auf göttliches Eingreifen ohne eigenes Zutun.

Gleichzeitig vereinten sich die Mächte der Finsternis mit dämonischer Geschwindigkeit. Satan weiß, dass „ein Reich, das in sich selbst uneins ist, verwüstet wird“ (Matthäus 12,25), deshalb sorgt er dafür, dass seine Anhänger geeint handeln, während er die Kinder Gottes in Spaltung und Lähmung hält.

Die dämonische Strategie der Einheit im Bösen

Die Schrift lehrt uns, dass Satan der „Fürst dieser Welt“ ist (Johannes 14,30) und dass er seine Reiche effizient organisiert. Wenn ein gemeinsamer Feind des Kreuzes identifiziert wird – seien es Juden, Christen oder andere „Störfaktoren“ – dann finden sich die Kinder der Finsternis mit übernatürlicher Geschwindigkeit zusammen.

Besonders vulnerabel sind jene, die Paulus als „fleischlich gesinnt“ beschreibt (Römer 8,5-8): Menschen, die ihre Identität nicht in Christus gefunden haben, die unerlöst und damit anfällig für die Verführungen des Bösen sind. Sie lassen sich leicht mobilisieren, weil der Feind ihnen das zum Fühlen gibt, was nur Gott in Wirklichkeit geben kann: Sinn, Zugehörigkeit und das trügerische Gefühl moralischer Überlegenheit.

Wie Jesus warnte: „Und wenn ein Satan den anderen austriebe, so wäre er mit sich selbst entzweit. Wie könnte dann sein Reich bestehen?“ (Matthäus 12,26). Der Feind versteht diese Lektion besser als die Gemeinde Christi.

Das Dilemma der zerstrittenen Heiligen

Während die Mächte der Finsternis geschlossen handeln, präsentiert sich die Christenheit als hoffnungslos zersplittert. Paulus klagte bereits die Korinther an: „Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, daß ihr alle einmütig redet und nicht Spaltungen unter euch seien, sondern daß ihr zusammengefügt seiet in derselben Gesinnung und in derselben Meinung“ (1. Korinther 1,10).

Stattdessen streiten wir über Denominationen, theologische Feinheiten und liturgische Traditionen, während die Welt um uns brennt. Wir erfüllen unbewusst die Prophezeiung Jesu: „Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten“ (Matthäeus 24,12).

Die Tragik liegt darin, dass Jesus selbst für unsere Einheit betete: „Damit sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir bist und ich in dir; damit auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, daß du mich gesandt hast“ (Johannes 17,21). Unsere Spaltung ist nicht nur strategisch verheerend – sie ist Ungehorsam gegen den ausdrücklichen Willen Christi.

Die Fluchtmentalität: Verrat am Missionsauftrag

Besonders verheerend ist die Tendenz der Christen zur Flucht, wenn der geistliche Kampf ernst wird. Sobald gesellschaftliche oder politische Bedrohungen aufkommen, lautet die erste Frage oft nicht „Wie können wir dem Bösen widerstehen?“, sondern „Wohin können wir fliehen?“ – als hätten wir den Missionsauftrag vergessen: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur“ (Markus 16,15).

Diese Fluchtmentalität steht in direktem Widerspruch zu den Worten Jesu: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33). Christus ruft uns nicht zur Flucht, sondern zum Kampf – nicht mit fleischlichen Waffen, sondern „mit göttlicher Macht zur Zerstörung von Festungen“ (2. Korinther 10,4).

Während die ersten Christen bereitwillig den Märtyrertod auf sich nahmen und das Evangelium trotz Verfolgung ausbreiteten, ziehen sich heutige Gläubige bei ersten Anzeichen von Widerstand in ihre geschützten Gemeindeblasen zurück. Sie vergessen die Ermahnung des Paulus: „Alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung leiden“ (2. Timotheus 3,12).

Satans Strategie der Spaltung

Die Schrift offenbart uns, dass Satan von Anfang an ein Spalter war. Schon im Garten Eden säte er Zweifel und Uneinigkeit zwischen Gott und Mensch. Seine Strategie hat sich nicht geändert: „divide et impera“ – teile und herrsche.

In der Offenbarung sehen wir, wie sich die dämonischen Mächte in den letzten Tagen vereinen werden: „Denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun und ausgehen zu den Königen der ganzen Welt, um sie zum Kampf zu versammeln für den großen Tag Gottes, des Allmächtigen“ (Offenbarung 16,14).

Die bittere Ironie unserer Zeit ist offensichtlich: Während sich die Anständigen und Gläubigen in endlosen, oft fruchtlosen Diskussionen über den perfekten, ethisch sauberen Weg zur Reichsausbreitung verlieren, haben die Mächte der Finsternis längst ihre simplen, aber teuflisch effektiven Pläne gegen das Reich Gottes in die Tat umgesetzt. Sie zögern nicht, sie zweifeln nicht an der „Richtigkeit“ ihrer gottlosen Sache, sie analysieren nicht jede mögliche Konsequenz bis ins kleinste Detail – sie handeln. Schnell, entschlossen und dämonisch geeint.

Wir lernen weder aus der Heilsgeschichte noch aus der Gegenwart die richtigen Lektionen. In jeder Epoche, in jedem Jahrhundert mobilisieren sich die Gottlosen gegen Gottes Volk, gegen Minderheiten, gegen jene, die nicht in ihr götzendienerisches Weltbild passen. Immer wieder derselbe satanische Mechanismus: Ein gemeinsamer Feind wird identifiziert – meist die Gläubigen – und plötzlich stehen Menschen zusammen, die sonst keinerlei geistliche Verbindung haben.

Gleichzeitig warnt Jesus vor falschen Propheten, die „wenn möglich, auch die Auserwählten verführen“ würden (Matthäus 24,24). Die Gemeinde der Endzeit wird nicht durch äußere Verfolgung vernichtet, sondern durch innere Spaltung gelähmt werden.

Der Auftrag zur geistlichen Kriegsführung

Paulus ruft uns zur geistlichen Kriegsführung auf: „Ziehet die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr standhalten könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels“ (Epheser 6,11). Diese Waffenrüstung ist nicht für die Flucht gedacht, sondern für den Kampf.

Die frühe Kirche verstand dies. Als Stephanus gesteinigt wurde, zerstreuten sich die Gläubigen nicht in feiger Flucht, sondern „gingen umher und verkündigten das Wort“ (Apostelgeschichte 8,4). Sie verwandelten Verfolgung in Evangelisation, Leid in Sieg.

Heute hingegen weichen wir dem Kampf aus, anstatt wie Daniel standhaft zu bleiben, der lieber in die Löwengrube ging, als seinen Glauben zu kompromittieren. Wir haben vergessen, dass „die Pforten der Hölle die Gemeinde nicht überwältigen werden“ (Matthäus 16,18) – aber nur, wenn wir tatsächlich als Gemeinde Christi handeln.

Der prophetische Ruf zur Buße und Einheit

Die Lösung liegt in einer Rückkehr zu den neutestamentlichen Prinzipien der Gemeinde. Wir müssen Buße tun über unsere Spaltungen, unsere Feigheit und unsere Kompromisse mit der Welt. Wie die Gemeinde in Philadelphia müssen wir „eine kleine Kraft“ haben, aber „sein Wort bewahren und seinen Namen nicht verleugnen“ (Offenbarung 3,8).

Gott ruft seine Gemeinde zur Einheit – nicht um jeden Preis, sondern auf dem Fundament seines Wortes. Wie Nehemia die zerstreuten Juden sammelte, um die Mauern Jerusalems wieder aufzubauen, so müssen sich die wahren Gläubigen heute sammeln, um dem vormarschierenden Reich der Finsternis zu widerstehen.

Dies erfordert, dass wir aufhören, vor dem Kampf zu fliehen, und anfangen, wie „gute Soldaten Jesu Christi“ zu kämpfen (2. Timotheus 2,3). Nicht mit Hass oder Gewalt, sondern mit der Wahrheit des Evangeliums, der Macht des Gebets und der Einheit der Liebe.

Schlussfolgerung: Ein prophetischer Aufruf

Jesus fragte: „Doch wenn der Menschensohn kommt, wird er auch Glauben finden auf Erden?“ (Lukas 18,8). Diese Frage ist nicht rhetorisch – sie ist eine Warnung und ein Aufruf.

Die entscheidende Frage unserer Zeit lautet nicht, ob es genug bekennende Christen gibt. Die Frage ist: Werden sie rechtzeitig erwachen, sich in biblischer Einheit sammeln und als Heer des lebendigen Gottes handeln, bevor der Herr wiederkommt?

„Darum, da wir wissen, was es heißt, den Herrn zu fürchten, so reden wir den Menschen zu“ (2. Korinther 5,11). Die Zeit der Passivität und Spaltung muss enden. Die Gemeinde Christi muss wieder lernen, was es bedeutet, „mehr Gott zu gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29) – gemeinsam, entschlossen und bis zum Ende treu.

Maranatha – unser Herr kommt. Die Frage ist: Wird er uns schlafend oder wachend antreffen?